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Holz und Wasser


Der Werkstoff Holz erfordert vom Bodenbelagsfachmann ein komplettes Umdenken. Sind die meisten anderen von ihm verarbeiten Werkstoffe hauptsächlich in ihrem Verhalten temperaturabhängig, so ist das Formänderungsverhalten von Holz in erster Linie vom Feuchtegehalt in der Holzfaser abhängig. Es wird sogar behauptet, dass Feuchtigkeit an 90% aller Schwierigkeiten mit Holz beteiligt ist. Wer aber die fundamentalen Zusammenhänge zwischen Holz und Feuchtigkeit mißachtet oder gar nicht kennt, für den kann diese Schätzung sogar noch zu niedrig sein. Andererseits ist dieser Werkstoff, den uns die Natur liefert, reizvoll wie kaum ein anderer, wenn wir uns Wissen über seine physikalischen Eigenschaften angeeignet haben.
Lassen Sie uns die wichtigsten Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Holz und Feuchtigkeit herausarbeiten; viele Fragen beantworten sich dann von selbst.
Denken wir nur an unsere praktischen Erfahrungen bzw. unsere Schulkenntnisse zurück, dann erinnern wir uns glich daran, dass Holz "arbeitet". Die aus massiven Brettern gearbeitete Schublade, die im Winter perfekt gleitet, aber im August auf einmal klemmt; oder aber die massive Schranktür eines alten Kastens, die einmal exakt eingepaßt schien, mit einem mal aber verzogen ist. Die alten Ägypter verwendeten Holzkeile, die in Steinspalten geschlagen und anschließend mit Wasser getränkt wurden, um riesige Steinblöcke loszusprengen. Dies sind eindrucksvolle Beispiele für die enormen Kräfte, die durch das Quellen von Holz freigesetzt werden; Beispiele für die Formänderung von Holz bei sich ändernder Umgebungsfeuchte. Diese elementare Dimensionsänderung von Holz gilt es immer zu bedenken, wenn wir mit diesem Werkstoff arbeiten.

Holz ist im lebenden Baum sehr naß. Die einzelnen Holzzellen, aber auch die sie trennenden Zellwände sind maximal mit Wasser gefüllt (Zellsaft). Sie sind in ihrem maximalen Quellungszustand. Nach dem Fällen verdunstet jedoch nach und nach der größte Teil dieses Wassers, bis sich ein Gleichgewichtszustand zwischen Umgebungsluftfeuchte und dem Feuchtigkeitsgehalt des Holzes einstellt. Gleichzeitig damit schrumpfen die Holzzellen; man nennt diesen Vorgang Schwinden. Natürlich wird dieser langsame Vorgang der Lufttrocknung heute bei der Holzverarbeitung durch Prozesse in Trockenkammern (Kammertrocknung) beschleunigt, bis der Feuchtegehalt der späteren Umgebungsfeuchte am Verwendungsort entspricht. Entscheidend sind nunmehr drei Fakten.

Erstens,
die Fähigkeit aus der Umgebung Feuchtigkeit aufzunehmen und dadurch aufzuquellen, oder aber Feuchtigkeit abzugeben und somit zu schwinden, bleibt dem Holz erhalten, auch wenn es lackiert, geölt oder gewachst ist.

Zweitens,
eine wichtige Einflußkomponente der Umgebungsfeuchtigkeit, nämlich die relative Luftfeuchte, ist niemals konstant. Im Gegenteil, sie schwankt im jahreszeitlichen Rhythmus sogar sehr stark. Wetterfronten führen Luftmassen aus oft weit entfernten warmen Gebieten heran, die eine bestimmte absolute Luftfeuchte enthalten. Zusätzlich herrschen örtliche Einflüsse von oft erheblicher Bedeutung, z.B. aus hoher Feuchte der Vegetation oder aus der Verdunstung großer Wasseroberflächen.

Drittens,
als Quell, die dem Holz neue, unerwünschte Feuchte zuführen kann, gelten umgebende Bauteile, zu nasse Estriche, zu nasses Mauerwerk oder ähnliches. Nun letzteres ist uns allen bekannt, gilt es doch daher die einschlägigen Vorschriften und Normen für einen verlegereifen Unterboden, die für alle Fußböden gelten, zu beachten entsprechend VOB, Teil C, hier im besonderen die DIN 18356 "Parkettarbeiten".
Vor der Verlegung muß eine Überprüfung der Estrichfeuchte mit dem CM (Carbidmethode)- bzw. CCM(Calcium-Carbidmethode)-Gerät durchgeführt werden. Für eine gute Lüftung der Räume vor, während und auch nach der Verlegung i st zu sorgen, um die eventuell vorhandene Baurestfeuchte abzuführen. All diese Feuchteinwirkung führt also dazu, dass die Zellen und Zellwände diese äußere Feuchte wieder aufnehmen. Die Holzfeuchte steigt an das Holz quillt.

Hier sei angemerkt, dass das Quell- und Schwindmaß quer zum Faserverlauf immer erheblich größer ist als in Faserlängsrichtung. Dies ist der Grund, dass althergebrachtes Massivparkett im Winter zu starker Fugenbildung neigt.